Elektronik aus Asien importieren: Incoterms, Zoll und Einfuhrumsatzsteuer

Logistik und Versand — Container für internationalen Handel

Das Wichtigste in Kürze

  • Die gewählte Incoterms®-Klausel legt fest, wer Transport, Versicherung, Verzollung und Risiko trägt – sie ist eine der wichtigsten Entscheidungen beim Import.
  • Für die Einfuhr in die EU brauchen Sie eine EORI-Nummer; Zoll und Einfuhrumsatzsteuer richten sich nach der korrekten Zolltarifnummer.
  • Viele elektronische Bauteile sind zollfrei, die Einfuhrumsatzsteuer fällt aber an: 19 % in Deutschland, 20 % in Österreich, 8,1 % Mehrwertsteuer in der Schweiz.

Ein großer Teil der weltweiten Elektronikfertigung findet in Asien statt. Für Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz bedeutet das: Leiterplatten, Baugruppen und Komponenten kommen häufig per Luft-, See- oder Bahnfracht ins Land. Neben Preis und Qualität entscheiden deshalb auch Lieferbedingungen, Zollabwicklung und Transportzeit über den Erfolg eines Beschaffungsprojekts. Im fünften Teil unserer Serie erklären wir die wichtigsten Grundlagen für den Import elektronischer Komponenten.

Hinweis: Dieser Beitrag bietet einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Zoll-, Steuer- oder Rechtsberatung. Maßgeblich sind die jeweils aktuellen Vorschriften.

Incoterms® 2020: Wer trägt Kosten und Risiko?

Die Incoterms® der Internationalen Handelskammer (ICC) sind standardisierte Lieferklauseln. Sie regeln, an welchem Punkt Kosten und Risiko vom Verkäufer auf den Käufer übergehen und wer sich um Export- und Importformalitäten kümmert. Die Incoterms® 2020 umfassen elf Klauseln. Für die Elektronikbeschaffung sind vor allem diese relevant:

Klausel Verkäufer übernimmt Käufer übernimmt
EXW – Ab Werk Bereitstellung der Ware im eigenen Werk Verladung, Exportverzollung, Transport, Import, gesamtes Risiko
FCA – Frei Frachtführer Exportverzollung und Übergabe an den Frachtführer des Käufers Haupttransport, Versicherung, Importverzollung
FOB – Frei an Bord Exportverzollung, Ware an Bord des Schiffs im Verschiffungshafen Seefracht ab Bord, Versicherung, Import
CIF – Kosten, Versicherung, Fracht Seefracht und Mindestversicherung bis zum Zielhafen Risiko ab Verladung im Abgangshafen, Import
DAP – Geliefert benannter Ort Transport bis zum vereinbarten Ort Entladung, Importverzollung, Zoll und Einfuhrumsatzsteuer
DDP – Geliefert verzollt Transport, Importverzollung, Zoll und Einfuhrumsatzsteuer Entladung

Praxistipps zur Wahl der Lieferbedingung

  • FOB und CIF gelten nur für See- und Binnenschiffstransport. Für Container- und Luftfracht empfiehlt die ICC eher FCA bzw. CPT und CIP, weil der Risikoübergang dort zur tatsächlichen Übergabe passt.
  • EXW klingt günstig, ist aber aufwendig: Der Käufer muss die Exportabwicklung im Herkunftsland organisieren.
  • DDP ist bequem, aber nicht immer optimal: Wer die Einfuhrumsatzsteuer schuldet, beeinflusst den Vorsteuerabzug. Klären Sie das vorab mit Ihrer Steuerberatung.
  • Ort genau benennen: Eine Incoterms-Klausel ist nur mit einem präzisen Ort eindeutig, zum Beispiel „FCA Shenzhen, Lager des Verkäufers“.

Zollabwicklung: Was Sie für den Import benötigen

EORI-Nummer

Unternehmen, die in der EU Waren einführen, benötigen eine EORI-Nummer (Economic Operators Registration and Identification). In Deutschland wird sie beim Zoll beantragt, in Österreich beim Zollamt Österreich. Die Schweiz ist nicht Teil der EU-Zollunion und hat ein eigenes Verfahren.

Zolltarifnummer

Jede Ware wird für die Verzollung einer Zolltarifnummer zugeordnet. Die ersten sechs Stellen entsprechen dem international einheitlichen Harmonisierten System (HS), die EU ergänzt sie in der Kombinierten Nomenklatur und im TARIC. Die Tarifnummer bestimmt den Zollsatz und mögliche Beschränkungen. Eine falsche Einreihung kann zu Nachforderungen führen – bei Unsicherheit lässt sich beim Zoll eine verbindliche Zolltarifauskunft (vZTA) beantragen.

Zölle auf elektronische Bauteile

Viele elektronische Bauteile, etwa integrierte Schaltungen, sind aufgrund des WTO-Informationstechnologie-Abkommens (ITA) in der EU zollfrei. Für andere Waren, zum Beispiel bestimmte Kabel, Steckverbinder oder komplette Geräte, können Zollsätze anfallen. Zusätzlich können für einzelne Warengruppen aus bestimmten Ländern Antidumping- oder Ausgleichszölle gelten. Die Prüfung erfolgt immer je Tarifnummer und Ursprungsland.

Einfuhrumsatzsteuer

Unabhängig vom Zoll fällt bei der Einfuhr die Einfuhrumsatzsteuer an. Bemessungsgrundlage ist im Wesentlichen der Zollwert (inklusive Fracht und Versicherung bis zur EU-Grenze) zuzüglich Zoll und weiterer Beförderungskosten bis zum ersten Bestimmungsort:

  • Deutschland: 19 %
  • Österreich: 20 %
  • Schweiz: 8,1 % Mehrwertsteuer bei der Einfuhr

Vorsteuerabzugsberechtigte Unternehmen können die Einfuhrumsatzsteuer in der Regel als Vorsteuer geltend machen – vorausgesetzt, sie sind selbst Schuldner und die Unterlagen sind korrekt.

Exportkontrolle

Einige Hochleistungskomponenten, etwa bestimmte FPGAs, Hochfrequenzbauteile oder Verschlüsselungstechnik, können als Dual-Use-Güter Exportkontrollvorschriften unterliegen – sowohl im Herkunftsland als auch nach der EU-Dual-Use-Verordnung (EU) 2021/821. Bei US-Technologie können zusätzlich US-Reexportvorschriften greifen. Lassen Sie solche Bauteile vor der Bestellung prüfen.

Transportwege und Lieferzeiten im Vergleich

Transportweg Typische Laufzeit Geeignet für
Kurier / Express wenige Werktage Prototypen, Muster, Eilbedarf
Luftfracht ca. 1 Woche Tür zu Tür Hochwertige, kompakte Ware, kurzfristige Serien
Bahnfracht ca. 2–4 Wochen Mittlere Volumina mit Zeitdruck
Seefracht ca. 4–6 Wochen plus Vor- und Nachlauf Große Volumina, planbare Serien

Die Angaben sind Richtwerte und schwanken je nach Route, Saison und Auslastung. Planen Sie außerdem Feiertage im Herkunftsland ein: Rund um das chinesische Neujahrsfest im Januar oder Februar ruht die Produktion vieler Hersteller für mehrere Wochen.

Verpackung und Transportschutz

Elektronische Bauteile brauchen besonderen Schutz. Achten Sie auf ESD-gerechte Verpackung für elektrostatisch empfindliche Bauteile und auf eine Trockenverpackung mit Trockenmittel und Feuchteindikator für feuchtigkeitsempfindliche Komponenten gemäß ihrer MSL-Einstufung. Bestückte Baugruppen sollten so verpackt sein, dass sie bei Vibration und Stößen nicht beschädigt werden.

Checkliste für den Import elektronischer Komponenten

  • Incoterms-Klausel mit genau benanntem Ort vereinbaren
  • EORI-Nummer bereithalten
  • Zolltarifnummer und Ursprungsland je Artikel klären
  • Handelsrechnung, Packliste und Transportdokumente vollständig prüfen
  • Exportkontrolle bei kritischen Bauteilen klären
  • Transportweg passend zu Termin und Volumen wählen
  • ESD- und MSL-gerechte Verpackung vereinbaren
  • Feiertage im Herkunftsland in die Terminplanung einbeziehen

Internationale Beschaffung mit einem Ansprechpartner im DACH-Raum

Mit unserem Global Sourcing übernehmen wir die Kommunikation mit Herstellern in Asien, die Qualitätsprüfung und die Abstimmung mit unseren Logistikpartnern. Wir klären mit Ihnen vorab die passende Lieferbedingung und nennen im Angebot konkrete Lieferzeiten – für Leiterplatten, bestückte Baugruppen und elektronische Komponenten. Welche Nachweise zu Stoffbeschränkungen dazugehören, lesen Sie in Teil 4 der Serie zu RoHS, REACH und SCIP.

Häufige Fragen zum Elektronik-Import

Welche Incoterms eignen sich für den Import aus Asien?

Häufig genutzt werden FCA, FOB, CIF, DAP und DDP. Für Container- und Luftfracht empfiehlt die ICC eher FCA, CPT oder CIP als FOB und CIF, die nur für den Seetransport vorgesehen sind. Die beste Wahl hängt davon ab, wer Transport und Verzollung organisieren soll.

Fällt auf elektronische Bauteile Zoll an?

Viele elektronische Bauteile wie integrierte Schaltungen sind in der EU aufgrund des Informationstechnologie-Abkommens zollfrei. Für andere Waren wie bestimmte Kabel oder Geräte können Zölle anfallen. Maßgeblich ist die Zolltarifnummer.

Wie hoch ist die Einfuhrumsatzsteuer?

In Deutschland beträgt sie 19 Prozent, in Österreich 20 Prozent. In der Schweiz wird bei der Einfuhr eine Mehrwertsteuer von 8,1 Prozent erhoben. Berechnungsgrundlage ist im Wesentlichen der Zollwert einschließlich Transportkosten bis zur Grenze zuzüglich eventuellem Zoll.

Brauche ich eine EORI-Nummer?

Ja, Unternehmen, die Waren in die EU einführen, benötigen eine EORI-Nummer. In Deutschland wird sie beim Zoll beantragt, in Österreich beim Zollamt Österreich.

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